Ich

Ich bin Agathe, schon weit Ü 50 und wohne in Falkensee, ganz in der Nähe von Berlin, mitten in der Natur, aber relativ kurzem Weg direkt ins tobende Leben. 

Inzwischen genieße ich die Rente und die viele Zeit, die damit verbunden ist. Diese Zeit nutze ich natürlich zum Nähen, aber auch zum "Herumstreunen". Deshalb verbringe ich viel Zeit in Schleswig-Holstein, wo ich ursprünglich herkommen und quasi einen 2. Wohnsitz habe. Hier wird dann natürlich auch genäht, weil dort meine Zweit-Maschine steht.

Nähen ist meine Leidenschaft, hab ich mal eine Woche keine Zeit für die Näh-Lust, werde ich kribbelig. Jetzt brauche ich zwar etwas viel Zeit für meinen Blog, aber ich denke, dass das bald ein Selbstläufer wird, wenn ich ihn besser beherrsche.

Wie alles begann -- nämlich ungefähr im Alter von 12 Jahren. Natürlich  hatte ich meine Puppen benäht, behäkelt hatte ich sie schon davor, alles mit der Hand und einfach drauf los.
 In diesem jugendlichen Alter entdeckte ich mich außerhalb, fing an, mich für mein Äußeres zu interessieren und hatte natürlich überhaupt kein Geld für Klamotten. Das war nicht so wie heute, es gab wenig Geld, wenig Klamotten-Auswahl und wenig Verständnis der Kriegsgeneration für die Jugend, die eigentlich nur ein bisschen chic sein wollte. Aber es gab irgendwelche Stoffe, die herumlagen, die man geschenkt bekam, alte Kleider, die man zerschneiden konnte. Meine Mutter benähte bereits ihre Kinder, hatte eine alte „Tretmaschine“ aus dem „Osten“ mitgebracht und war bereit, mich in die ersten Geheimnisse einzuweihen. Naja, die Sachen saßen meistens komisch am Körper, aber damals war das egal, ich war dünn und deshalb fiel das nicht so auf. 

Und dann die nette, ganz junge Handarbeitslehrerin – ich hatte endlich mein Vorbild gefunden und war in diesem Unterricht die Eifrigste. Ich erinnere mich an tolle Röcke und witzige Oberteile – der Grundstein war gelegt, aber komischerweise wollte ich diese Begabung nie zum Beruf machen. Das verstehe ich heute noch nicht.


Später hat das Schicksal mir eine Schwiegermutter geschenkt, die ganz toll nähen konnte. Sie brachte mir die Feinheiten bei, wie man nach Schnittmuster näht, Kragen, Bündchen, gut sitzende Ärmel und alles, was mich interessierte.  
Danach gingen viele Jahre ins Land, in denen ganz andere Sachen wichtig waren, aber genäht habe ich immer mal, z.B. mein lila Hochzeitskleid und den Hochzeits-Gehrock für meinen Mann. 
Wieder viele Jahre später lebte der alte Virus wieder auf, wollte neue Nahrung und ich ging regelmäßig zum Nähkurs, wo ich erstmal lernte, fertige Schnittmuster für meinen Körper passend vorzubereiten. Ein großes Geheimnis offenbarte sich mir -  warum die Klamotten nach den Schnittmustern nie richtig passten.
Tja und mit zunehmendem Alter veränderte sich meine Figur ungünstig, gleichzeitig wurde die Mode immer enger, körpernaher, die Jäckchen und Blusen kürzer – Fashion und mein Körper passten einfach nicht mehr zusammen. Ich entdeckte den Lagenlook , konnte mir aber diese ungewöhnliche, tolle Mode damals nicht leisten, außerdem entwickelte ich besondere Farbvorstellungen für meinen Sommertyp, was auch meistens nicht mit der aktuellen Modefarbe zusammen passte.

Seitdem bin ich Stoff-süchtig, ich kann die Farben und Schnitte kombinieren, die mir persönlich gefallen, falle damit zwar aus dem gängigen Stadtbild heraus, aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit konnte ich damit umgehen. 
Ich liebe es, mich mit Stoffen zu umhüllen, meine Kleidung ist sehr weit, sehr locker, sehr fließend und manchmal sehr phantasiebetont. Ist sicher nicht immer so günstig vom Verhältnis zwischen Körperproportionen und passendem Outfit, weil ich eigentlich nicht groß genug dafür bin. Ist mir hier aber egal, der Wohlfühleffekt ist entscheidend. 
Spätestens seit dem Buch von Guido Maria Kretschmer kenne ich meine passende Form, nämlich die A – Form. Das heißt, ich sollte oben herum schmaler schneidern und das wird in der nächsten Zeit Raum finden.

Ein wirklich toller Nebeneffekt bei meiner Näherei ist die Farbkombination. Ich mag gern “in einem Guss“ gekleidet sein. Das Gesamt Outfit in einer Farbe muss alles umfassen, vom Mantel bis zu den Schuhen. Also habe ich eine blaue Kollektion, eine grüne, eine lila, schwarze, eine in Burgunder und noch ein paar Farben dazu. Praktisch, wenn ich verreise entscheide ich mich für zwei Farben, habe dann alles dabei, was ich brauche und muss in den Schränken nicht soviel herumsuchen.


Mein neuester Spaß sind die alten, noch schönen Kleider meiner Mutter. Die arbeite ich um, ergänze mit anderen Stoffen und mache was ganz anderes daraus. Oder Lieblingsteile, die nicht mehr passen – sie werden einfach neu zusammengebaut. Manchmal kommen auch Taschen dabei raus.
Taschen nähen ist auch ein bisschen zur Sucht geworden, zum Outfit MUSS die passende Tasche dazu.
So langsam bekomme ich die Befürchtung, dass ich bis zum Ende hin nicht mehr alles schaffe, was noch in den Schränken oder im Kopf wartet. Aber ich arbeite mit aller Kraft daran. 

Kommentare:

  1. Eine tolle "Ich" Seite, da kriege ich leichte Schuldgefühle, bei meiner spartanischen Seite. Ich glaube, es geht uns allen so, dass wir mehr Ideen als Zeit haben. Aber andersrum wäre es noch schlimmer!
    Ich wünsche dir noch viel Spass mit deinen "in einem Guss" Projekten und hoffe, viele davon mitverfolgen zu können. Lieben Gruß, Softwearing

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  2. Hi, danke für Deine netten Worte. Ich glaube, das ist das Grundproblem von uns allen, dass wir mehr Ideen als Zeit haben und das ist wirklich gut so. Du machst sooo schöne Sachen, ich finde schon toll, dass Du uns das zeigst. Liebe Grüße

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  3. Hallo Agathe, tolles ich und du wohnst gar nicht so weit weg von mir. Im übrigen ziehe ich auch rot-weiß auf der Straße an... ich ziehe sowieso alles an was ich auch nähe, man sticht natürlich aus dem alltagsgrau raus, aber daran hab ich mich gewöhnt
    gglg aline

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    1. Hallo Aline, schade, dass ich Dich noch nie auf der Straße gesehen habe!!! Deine Selbstdarstellung gefällt mir auch sehr, weil ich Dein "Wahnsinn und Genie" gut nachvollziehen kann. Da bin ich auch nicht so weit entfernt von. Liebe Grüße in die "Nachbarschaft"

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